12.10.10

Mehr als nur Bio(-grafie)

Zugegeben: In so einen Film geht man nicht mit allzu hohen Erwartungen.Was soll an so einer Firmengründung auch schon Spannendes dran sein. Wer sich „The Social Network“ anschaut, der ist eher zu faul, eine Biografie oder den Wikipedia-Eintrag über Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (gespielt von Jesse Eisenberg) durchzulesen. Aber wer aus dem Kino kommt, der merkt auf einmal, wie Menschen wie Zuckerberg mit ihren Erfindungen den Alltag beeinflusst haben.
Sympathische Idealisten: Die Computer-Nerds Mark und Dustin hacken sich in das Uni-Netzwerk ein.
(© 2010 Sony Pictures Releasing GmbH)

Die Geschichte des Films ist schnell erzählt: Zuckerberg, heute übrigens 26 Jahre alt, ist Harvard-Student. Informatik, versteht sich. Und entwirft vor lauter Liebeskummer eine Website, auf der Studenten seiner Uni die Kommilitoninnen nach Attraktivität bewerten können. 22.000 Seitenaufrufe generiert er in wenigen Stunden. Ein Erfolg, der das Rechenzentrum der Uni lahmlegt.
Es verwundert, dass der echte Zuckerberg sich von dem Film distanzierte und den Machern eine Seite auf Facebook untersagte, um den Film zu bewerben. Denn unterm Strich kommt er gut weg: Er ist der sympathische Idealist, der die Seite ins Leben rief, weil er das Konzept interessant fand. Er wirkt fast schon bemitleidenswert. Aber weder geldgeil noch machtsüchtig.
Diese Rolle schreibt der Film den Widersachern, den Brüdern Cameron und Tyler Winklevoss, zu. Sie verklagten Zuckerberg auf Schadensersatz, weil er ihre Idee des sozialen Netzwerks geklaut habe.

Mark Zuckerberg verteidigt sich vor dem Uni-Ausschuss.
(© 2010 Sony Pictures Releasing GmbH)

Doch der Rechtsstreit ums Geld ist nicht der ganze Film. Denn der 121-Minuten-Streifen macht klar, was für eine Idee eigentlich hinter Facebook steckt. Dass die Seite Menschen zeigt, die man kennt, die einem vertraut sind. Und, dass es früher nicht so einfach war, Informationen über die neue Traumfrau zu finden. Oder, dass sich früher ohnehin viel mehr offline abspielte und man nicht per Statusmeldung seinen Beziehungsstatus ändert.
Kurzum: „The Social Network“ regt zum Nachdenken an. Darüber, wie die Studenten auf diese neue Erfindung reagiert haben. Und darüber, wie man selbst mit der Facebook-Plattform umgeht. Der Film ist also Pflichtlektüre für alle intensiven Facebook-Nutzer. Auch für die, die zu faul sind, Marc Zuckerbergs Biografie zu lesen. Deshalb: 8 Screenshots!

The Social Network – seit dem 7.10. im Kino